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JoJus Welt auf DaWanda

Dienstag, 19. Mai 2015

Die KiTa streikt – Hilfe oder doch nicht?




Also Diplom Sozialpädagogin und Mutter habe ich eine Doppelrolle, ich verstehe beide Seiten, wenn auch die Elternseite nur teilweise, das gebe ich zu.
Hier mal meine Meinung:
Die Elternsicht
Klar, ich muss arbeiten und mein Kind kann nicht in den Kindergarten, das ist erstmal ein Problem. Aber doch keine Riesenhürde.
Ich höre dann oft: Jetzt bekomme ich die Kündigung, danke liebe Erzieherinnen. Ich wüsste gerne, ob es Belege darüber gibt, wieviele Menschen, wegen des Streikes und der damit verbundenen fehlenden Betreuung, tatsächlich die Kündigung bekommen haben. Meine Vermutung, es werden nicht viele sein.
Zunächst, es gibt häufig Notgruppen, ja sicher nicht für jeden an jedem Tag, aber die KiTas, von denen ich höre, die geben ihr Bestes dies gerecht zu verteilen.
Dann, es gibt andere Mütter und Väter, die vielleicht nicht arbeiten oder nicht jeden Tag arbeiten, so kann man sich abwechseln, mal nimmt der eine Kinder, mal der andere.
Ich höre schon wieder das Geschrei:  „Ja, aber ich gebe mein Kind doch nicht einer wildfremden Person.“
Nein, niemand soll sein Kind auf der Straße irgendwem in die Hand drücken, es geht um andere Eltern, die auch Kinder haben, Freunde eurer Kinder. Es lohnt sich also schon in Nichtstreikzeiten mal zu schauen, mit wem das Kind so spielt und wer da so die Eltern sind.
Soziale Kontakte außerhalb der Familie schaden dabei weder dem Kind noch dem Elternteil.
Bei dem einen oder anderen ist vielleicht auch mal die Familie oder kinderlose Freunde bereit einzuspringen, vielleicht ergibt sich ja was.

Ja, so ein Streik ist aus Elternsicht eine Herausforderung und es benötigt Koordination, Kooperation und Absprachen, vielleicht sehen wir das gute darin, wir merken, dass wir als Einzelkämpfer nicht weit kommen werden.
Und für die verbliebenen Tage, kann man sich auch mal Urlaub nehmen und vielleicht das Kind der Nachbarin mit in den Zoo nehmen, weil sie grad arbeiten muss.

Aus Erziehersicht
Ich habe2009 selbst mitgestreikt, ja das hat auch Spaß gemacht, aber ich kenne niemanden, der es toll findet zu streiken.
Letztlich wollen wir alle unseren Beruf ausüben mit allem was dazu gehört.
Das Hauptthema ist immer wieder Geld. Hier werden dann gerne Vergleiche gezogen zum Thema: „Ich bin XY und verdiene viel weniger, die sollten sich was schämen.“
Zunächst, ich finde es auch nicht fair, was andere Berufsgruppen für ein Gehalt bekommen. Ich kann nur sagen: Steht auf und wehrt euch.
Ja, es wird mehr Geld gefordert, was ich nicht unverdient finde, aber es geht um viel mehr.

Es geht um Wertschätzung!

Hört sich blöd an oder? Aber fangen wir mal klein an, freuen wir uns nicht alle über ein „toll gemacht!“?
Hat schonmal jemand darüber nachgedacht, wie selbstverständlich wir es nehmen, dass ErzieherInnen und Sozialpädagogen ihre Arbeit machen?
Hat schonmal jemand darüber nachgedacht, was sie eigentlich alles machen müssen und wie sie arbeiten?
Sie sitzen nicht rum und trinken Kaffee, während die Kinder friedlich 8 Stunden spielen, gehen dann nach Hause und legen die Beine hoch.
Ich bleib mal bei den Erzieherinnen: Hier wird getröstet, gefördert, gesprochen, gespielt, zugehört, Streit geschlichtet,  ins Bett gebracht, gewickelt, umgezogen, angezogen, Feste vorbereitet, Ausflüge organisiert und durchgeführt, Bildungsdokumentationen geschrieben, Elterngespräche geführt, Teamgespräche geführt usw.
Hört sich nach Spaß an, ja, ich finde der Beruf macht Spaß, aber nicht nur. Denn alle diese Dinge müssen auch getan werden, wenn die Kollegin grad krank ist, es in Strömen, regnet und niemand raus kann usw. Es ist nicht nur ein Kind in der Gruppe, es sind viele und oft müssen mehrere Dinge auf einmal getan werden oder direkt hintereinander.

Jeder, der mehr als ein Kind hat und schonmal in der Situation war , das ein Kind sich in der Straßenbahn grad den Kopf gestoßen hat und während man es tröstet, Kind zwei erklärt, es habe nun in die Hose gemacht, der weiß, dass dies Stress ist.
Wie oft sagen wir dafür eigentlich danke?
Ich meine damit nicht, dass eine Erzieherin erwartet, dass sie jeden Tag von jedem Elternteil einen Strauß Rosen bekommt, aber:
Danke, dass sie heute den ganzen Tag mein Kind gut betreut haben und dabei noch 20 andere Kinder.
Danke, dass ich weiß, dass ich ihnen vertrauen kann.
Danke, dass Sie mein Kind gut auf die Schule vorbereiten.
Danke, dass Sie neben all den Kleinigkeiten, die Sie den ganzen Tag machen müssen, immer ein offenes Ohr für mein Kind und mich haben.
Danke, dass ich beruhigt arbeiten gehen kann, weil Sie sich gut um mein Kind kümmern.

Klar, das ist der Job, aber die meisten von uns werden sich an der Supermarktkasse bedanken, an der Hotelrezeption, am Bankschalter usw. – Das ist auch der Job.

Dazu kommt, viele Kolleginnen erhalten befristete Verträge, wissen nicht, wie es weiter geht, müssen sich evtl. Gedanken machen, haben nur Teilzeitstellen, nicht immer, weil sie es so wollen usw.

Die Arbeit wird immer anspruchsvoller, die Gruppen immer größer und ja, die Kinder werden nicht leichter und die Eltern auch nicht.
Oft reicht das Gehalt eben trotzdem nicht zum leben.

Und ja, es wird mehr Geld gefordert, berechtigt, wie ich finde, aber es geht auch um Arbeitsbedingungen und Wertschätzung.
Und wenn jetzt wieder jemand sagt: „Bei mir bedankt sich auch niemand, meine Arbeitsbedingungen sind schlecht und ich verdiene zu wenig.“

Dann steht auf und wehrt euch!

LG JoJu

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